Normen · August 2026 · 7 Min. Lesezeit

Strangmessung bei PV-Anlagen: Leerlaufspannung und Kurzschlussstrom richtig bewerten

Zwei Zahlen je String, in fünf Minuten gemessen - und trotzdem die aussagekräftigste Prüfung der ganzen Anlage. Die Leerlaufspannung verrät, ob alle Module im Strang hängen und richtig verschaltet sind; der Strom verrät, ob sie auch liefern. Vorausgesetzt, man weiß, womit man die gemessenen Werte vergleicht.

Was die IEC 62446-1 verlangt

Die Norm für Prüfung und Dokumentation von PV-Anlagen sieht je Strang vor: Durchgängigkeit von Schutz- und Potentialausgleichsleitern, Prüfung der Polarität, Messung der Leerlaufspannung Uoc, Messung des Strangstroms (Kurzschlussstrom Isc oder Betriebsstrom) sowie die Isolationsmessung der DC-Seite. Der vollständige Prüfumfang steht im Artikel zum Inbetriebnahmeprotokoll nach IEC 62446-1.

Leerlaufspannung: Die Rechnung dazu

Der erwartete Wert ergibt sich aus der Modulanzahl im Strang multipliziert mit der Leerlaufspannung eines Moduls laut Datenblatt - allerdings gilt der Datenblattwert bei Standardtestbedingungen mit 25 Grad Celsius Zelltemperatur. In der Realität ist das Modul im Sommer 55 Grad warm und liefert weniger, im Winter bei minus 5 Grad deutlich mehr.

Noch aussagekräftiger als der Absolutwert ist der Vergleich zwischen baugleichen Strings gleicher Ausrichtung. Sie sollten eng beieinander liegen; als Praxisrichtwert gilt eine Abweichung von wenigen Prozent.

Strom: Nur mit ausreichender Einstrahlung

Der Kurzschlussstrom ist nahezu proportional zur Bestrahlungsstärke. Deshalb gilt:

Der Trick für die Fehlersuche. Fehlt bei einem Strang die Spannung von genau einem oder zwei Modulen, ist meist eine Bypass-Diode leitend oder ein Modul überbrückt. Ist Uoc null, ist der Strang offen - fast immer ein nicht vollständig eingerastender Steckverbinder. Sind alle Strings gleichmäßig niedrig, liegt es an Temperatur oder Einstrahlung, nicht an der Anlage.

Auffällige Werte deuten

Sicherheit auf dem Dach

DC-Spannungen von 600 bis 1000 V verzeihen keine Routine. Persönliche Schutzausrüstung, isoliertes Werkzeug, Messgerät mit passender Messkategorie, keine Arbeiten an DC-Leitungen bei Gewitter, Absturzsicherung. Und die einfachste Regel: Erst schalten, wenn gemessen ist - viele Schäden entstehen, weil ein verpolter Strang zugeschaltet wird.

Was ins Protokoll gehört

Je String: Bezeichnung und Zuordnung zum Wechselrichter und MPP-Tracker, Modulanzahl und Modultyp, gemessene Leerlaufspannung, gemessener Strom mit Angabe des Messverfahrens, Isolationswiderstand, dazu Bestrahlungsstärke, Modul- oder Umgebungstemperatur und Uhrzeit. Diese Werte verlangt auch der amtliche Prüfbefund für die Förderabrechnung, siehe Prüfbefund für die EAG-Endabrechnung. Bei mehr als zwölf Strings reicht das Formular nicht mehr aus und es braucht eine Beilage.

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Hinweis: Zusammenfassung ohne Gewähr, maßgeblich sind die Originalnormen (ÖVE/ÖNORM EN 62446-1 beziehungsweise DIN EN 62446-1, OVE E 8101, DIN VDE 0100-712) sowie die Datenblätter der Module und Wechselrichter in der jeweils gültigen Fassung. Die Bewertung der Messergebnisse liegt bei der Elektrofachkraft.

Strangmessungen ohne Zettelwirtschaft

PVProtokoll führt Sie String für String durch die Messung, ordnet jeden Strang seinem Wechselrichter zu und übernimmt die Werte automatisch in Protokoll und amtlichen Prüfbefund - bei beliebig vielen Strings.

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