Wallbox prüfen und protokollieren: So läuft die Inbetriebnahme einer Ladeeinrichtung
Ladeeinrichtungen für Elektrofahrzeuge sind für viele Elektrobetriebe vom Nischenthema zum Tagesgeschäft geworden. Gleichzeitig ist die Wallbox eine der anspruchsvollsten Installationen im Wohnbereich: hohe Dauerlast, eigene Schutzanforderungen, Kommunikation mit dem Fahrzeug. Entsprechend genau schauen Versicherungen und Netzbetreiber hin, wenn etwas passiert - und entsprechend wichtig ist ein sauberes Inbetriebnahmeprotokoll.
Die Errichtungsanforderungen in Kürze
Maßgeblich ist der Abschnitt 722 der Errichtungsnormen (in Deutschland DIN VDE 0100-722, in Österreich der entsprechende Teil der OVE E 8101), ergänzt um die Produktnormen der Ladeeinrichtung. Die wichtigsten Punkte:
- Eigener Stromkreis: Jeder Ladepunkt braucht einen eigenen, unabhängig abgesicherten Endstromkreis
- Fehlerstromschutz: Je Ladepunkt ein eigener RCD mit maximal 30 mA; bei möglichen glatten Gleichfehlerströmen Typ B oder Typ A plus RDC-DD (6 mA DC-Erkennung, oft in der Wallbox integriert)
- Dauerlast: Leitungsquerschnitt und Schutzorgan müssen für stundenlanges Laden mit Bemessungsstrom ausgelegt sein - Laden ist Dauerbetrieb, kein Kurzzeitbetrieb
- Netzbetreiber: Ladeeinrichtungen sind je nach Leistung melde- oder genehmigungspflichtig - die Bestätigung gehört in die Anlagendokumentation
- Lastmanagement: bei mehreren Ladepunkten dokumentieren, wie die Anschlussleistung begrenzt wird
Die Prüfung: Besichtigen, Messen, Erproben - plus Fahrzeugsimulation
Die Wallbox wird wie jede neue Anlage nach dem bekannten Dreiklang geprüft. Die Besonderheit: Ohne Prüfadapter, der ein angeschlossenes Fahrzeug simuliert, lässt sich der Ladestromkreis nicht unter realen Bedingungen messen, denn die Wallbox schaltet die Spannung erst frei, wenn die Kommunikation über den Control Pilot steht.
- Besichtigung: Montage, Leitungsverlegung, Absicherung, Kennzeichnung, Typenschild, RCD-Typ, Meldebestätigung des Netzbetreibers
- Messungen: Durchgängigkeit des Schutzleiters bis zum Ladestecker, Isolationswiderstand, Schleifenimpedanz am Ladepunkt (über Prüfadapter), RCD-Auslösestrom und -zeit, bei Typ A plus RDC-DD zusätzlich die DC-Fehlerstromabschaltung mit 6 mA testen
- Erprobung: Ladevorgang starten, Zustände nach IEC 61851 durchschalten (Fahrzeug erkannt, ladebereit, Laden), Fehlerfälle simulieren (CP-Kurzschluss, PE-Unterbrechung je nach Adapter)
Das Inbetriebnahmeprotokoll der Wallbox
Ein vollständiges Protokoll enthält: Anlagendaten und Ladepunkt (Hersteller, Typ, Ladeleistung, Anschlussart), Zuleitung und Absicherung, RCD-Typ samt Messwerten, alle Messungen mit Grenzwert und Bewertung, die Erprobung der Ladezustände, das Gesamtergebnis, Prüfgrundlage, Messgerät samt Prüfadapter, Datum und Unterschrift. Dazu gehören Fotos: Zählerschrank mit Absicherung, Wallbox montiert, Typenschild - mit kurzem Kommentar, was zu sehen ist.
Warum sich die saubere Doku doppelt lohnt
Erstens haftungsseitig: Bei einem Brandschaden mit E-Auto fragt die Versicherung als Erstes nach dem Inbetriebnahmeprotokoll. Zweitens geschäftlich: Wer die Wallbox errichtet und dokumentiert, ist der natürliche Ansprechpartner für die wiederkehrende Prüfung - und für die PV-Anlage, die viele Wallbox-Kunden als Nächstes planen.
Hinweis: Zusammenfassung ohne Gewähr, maßgeblich sind die Originalnormen, Herstellerangaben und die technischen Anschlussbedingungen des Netzbetreibers in der jeweils gültigen Fassung. Die Verantwortung für Prüfung und Bewertung liegt bei der Elektrofachkraft.
Wallbox-Protokolle direkt am Handy
Mit PVProtokoll dokumentieren Sie die Wallbox-Inbetriebnahme geführt am Smartphone - inklusive Fotos mit Kommentar, Messwerten mit Grenzwerten und fertigem PDF, bevor Sie vom Hof fahren.
Testzugang anfragen