RCD-Typen im Überblick: Welcher FI-Schalter wofür - und wie er ins Protokoll gehört
Die Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD, früher umgangssprachlich FI-Schalter) ist eine der wichtigsten Schutzmaßnahmen gegen elektrischen Schlag. Doch RCD ist nicht gleich RCD: Je nach Fehlerstromform muss der richtige Typ verbaut sein - und gerade bei Wechselrichtern, Frequenzumrichtern und Ladeeinrichtungen wird das schnell sicherheitsrelevant. Wer prüft, muss den Typ erkennen, bewerten und dokumentieren.
Warum es verschiedene Typen gibt
Ein RCD vergleicht die hin- und zurückfließenden Ströme. Weicht die Summe ab, fließt ein Fehlerstrom - zum Beispiel über einen Menschen - und der RCD schaltet ab. Das Problem: Moderne Betriebsmittel mit Leistungselektronik erzeugen im Fehlerfall keine sauberen sinusförmigen Fehlerströme, sondern pulsierende Gleichfehlerströme oder glatte Gleichfehlerströme. Ein einfacher RCD erkennt diese nicht zuverlässig - schlimmer noch, ein glatter Gleichfehlerstrom kann den Summenstromwandler vormagnetisieren und den RCD funktionsunfähig machen.
Die vier Typen im Vergleich
- Typ AC: erfasst nur sinusförmige Wechselfehlerströme. In Österreich und Deutschland für neue Anlagen praktisch nicht mehr zeitgemäß und in vielen Anwendungen unzulässig
- Typ A: erfasst zusätzlich pulsierende Gleichfehlerströme - der Standardtyp für Wohn- und Gewerbeinstallationen mit üblichen Verbrauchern
- Typ F: erfasst zusätzlich Fehlerströme mit Mischfrequenzen, wie sie einphasige Frequenzumrichter erzeugen - typisch bei Wärmepumpen, Klimageräten, modernen Waschmaschinen
- Typ B: erfasst zusätzlich glatte Gleichfehlerströme - erforderlich bei dreiphasigen Frequenzumrichtern und je nach Herstellerangabe bei Wechselrichtern und DC-Ladeeinrichtungen
Sonderfall Wallbox und PV
Bei Ladeeinrichtungen für Elektrofahrzeuge verlangen die Errichtungsbestimmungen für jeden Ladepunkt einen eigenen RCD mit maximal 30 mA. Kann im Fahrzeug ein glatter Gleichfehlerstrom entstehen, muss entweder ein RCD Typ B gesetzt werden oder ein Typ A in Kombination mit einer Gleichfehlerstrom-Überwachung (RDC-DD mit Abschaltung bei 6 mA DC), die in vielen Wallboxen bereits integriert ist. Genau das gehört ins Prüfprotokoll: Welcher RCD-Typ ist verbaut, ist die 6-mA-DC-Erkennung in der Wallbox vorhanden, wurde die Auslösung gemessen? Bei PV-Wechselrichtern gilt: Die Herstellerangaben im Datenblatt entscheiden, ob ein Typ A ausreicht - viele transformatorlose Wechselrichter haben eine integrierte Fehlerstromüberwachung, die den Typ B entbehrlich macht. Ohne Blick ins Datenblatt ist keine seriöse Bewertung möglich.
Die RCD-Prüfung: Prüftaste allein genügt nicht
Die Prüftaste testet nur die Mechanik des Auslösers - sie sagt nichts über Auslösestrom und Auslösezeit aus. Eine vollständige RCD-Prüfung umfasst deshalb beides:
- Funktionstest: Auslösung über die Prüftaste
- Auslösestrom: Messung mit ansteigendem Fehlerstrom; der RCD muss zwischen 50 und 100 Prozent seines Bemessungsdifferenzstroms auslösen
- Auslösezeit: Messung beim Bemessungsdifferenzstrom; die zulässigen Zeiten hängen von Typ und Einsatzfall ab
- Bewertung: jeder Messwert mit Einheit, Grenzwert und klarem Ergebnis (in Ordnung / nicht in Ordnung)
Häufige Praxisfehler
- Typ AC im Bestand übersehen, obwohl neue Verbraucher mit Leistungselektronik angeschlossen wurden
- Typ A vor einer Wallbox ohne Nachweis der integrierten DC-Fehlerstromüberwachung
- RCD Typ B hinter einem Typ A installiert - ein vorgelagerter Typ A kann durch Gleichfehlerströme erblinden
- Nur Prüftaste gedrückt, keine Messung von Auslösestrom und Auslösezeit
Hinweis: Zusammenfassung ohne Gewähr, maßgeblich sind die Originalnormen und Herstellerangaben in der jeweils gültigen Fassung. Die Verantwortung für Auswahl, Prüfung und Bewertung liegt bei der Elektrofachkraft.
RCD-Prüfung mit System dokumentieren
PVProtokoll fragt je Prüfung RCD-Typ, Auslösestrom und Auslösezeit strukturiert ab - mit Grenzwert direkt neben dem Messfeld. Das fertige PDF-Protokoll ist in Minuten erstellt, direkt auf der Baustelle.
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